Kanzlerbungalow

Erbauung
- 1963 — 1964
- Sep Ruf
Sanierung
- 2007 — 2009
Der Kanzlerbungalow in Bonn ist nicht nur ein wichtiger Ort deutscher und internationaler Geschichte, er gilt auch als Schlüsselwerk der westdeutschen Nachkriegsarchitektur. Das repräsentative Wohn- und Amtsgebäude wurde im Zuge der Neubebauung des Regierungsviertels in Bonn 1963/64 vom Münchner Architekt Sep Ruf realisiert. Auftraggeber war Bundeskanzler Ludwig Erhard, der, wie viele seiner Nachfolger, den berühmten Bau selbst bewohnte.
In seiner schlichten, eleganten Sachlichkeit steht der Bungalow klar in der Tradition der Klassischen Moderne der 1920er-Jahre. Bodentiefe Fenster verleihen dem Gebäude Offenheit und Transparenz – Werte, die Ruf nicht nur in ihrer gestalterischen, sondern auch in ihrer politischen Dimension bewusst hervorhob. Der Bungalow sollte Ausdruck des neuen demokratischen Deutschlands sein. Darüber hinaus bildet die betonte Bescheidenheit des Gebäudes einen Kontrast zu den umliegenden Repräsentativbauten des Bonner Regierungsviertels, besonders zum prunkvollen Klassizismus des benachbarten Palais Schaumburg.
Der eingeschossige Flachbau ist unauffällig, fast schwebend in den Park des Palais eingebettet. Er besteht aus zwei leicht versetzten, quadratischen Atriumhäusern, von denen eines die private Wohnung der Kanzlerfamilie, das andere dienstliche Empfangsräume beherbergt. Im Inneren wurden in den als Stahlskelettkonstruktion ausgeführten flachen Kuben vornehmlich natürliche, warme Baumaterialien wie Holz und Stein verwendet. Bewegliche Trennwände ermöglichen eine flexible Raumaufteilung. Ruf legte in seinem progressiven Entwurf großen Wert auf Funktionalität und eine unprätentiöse, hochmoderne Ästhetik.
Nach Ludwig Erhard wohnten insgesamt vier weitere Bundeskanzler im Bungalow und veränderten während ihrer Amtszeiten teilweise die Innengestaltung. Die Regierung zog 1999 nach Berlin und der Bungalow stand zunächst leer. 2005 wurde der inzwischen denkmalgeschützte Bau saniert. Heute kann er als Teil des „Wegs der Demokratie“ – ein von der Stiftung Haus der Geschichte konzipierter historischer Rundweg durch das ehemalige Regierungsviertel – besichtigt werden. [KM]
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