bauhaus ulm: Von Peterhans bis Maldonado

Wann?

28.06.2019 - 13.10.2019

Was?

Ausstellung

Die Ausstellung blickt auf die Anfangsjahre der Hochschule für Gestaltung Ulm zurück, als ehemalige Bauhäusler wie Walter Peterhans, Josef Albers oder Helene Nonné-Schmidt die Grundlehre an der HfG Ulm prägten.

Mit seiner eigenen Ausstellung möchte das HfG-Archiv an die Anfänge des Unterrichts in Ulm zurück und sich intensiv der Grundlehre an der Hochschule für Gestaltung Ulm widmen.

Max Bill hat in den Vorbereitungen für den Schulbetrieb in ausführlichen Briefen mit ehemaligen Bauhaus-Angehörigen in aller Welt über ihr mögliches Engagement in Ulm verhandelt. Schließlich gekommen sind: Walter Peterhans, Josef Albers, Helene Nonné-Schmidt und Johannes Itten. In den Aufgabenstellungen und im Unterricht ist die Verbindung zum Bauhaus am deutlichsten greifbar. So zum Beispiel hat Josef Albers Übungen zum Papierfalten gestellt, die er so auch schon am Bauhaus formuliert hatte.

In der Forschung ist seit langem anerkannt, dass man nicht von dem einen Bauhaus sprechen kann, gibt es doch allein schon bedeutende Unterschiede zwischen dem Gründungsstandort Weimar und Dessau. Johannes Itten, der 1923 das Bauhaus im Streit verließ, vertritt eine andere Pädagogik als Walter Peterhans, der ab 1929 die Werkstatt für Fotografie am Bauhaus aufbaute. Die Ausstellung möchte u.a. die Frage beantworten, welche Vorstellung vom Bauhaus an der HfG Ulm vermittelt wurde, was genau wussten die Studierenden davon? Denn anders als heute war das Bauhaus in Dessau im Gründungsjahr der HfG Ulm 1953 kein strahlendes, attraktiv restauriertes Baudenkmal und ein Touristenmagnet, sondern eine Ruine.

Weitere Bezüge zum Bauhaus lassen sich an Max Bills Architektur des HfG-Gebäudes in Ulm ausmachen. Einige Abläufe zwischen den Gebäudeteilen wie auch Detaillösungen zeigen seine Kenntnis des von Walter Gropius entworfenen Bauhaus-Gebäudes in Dessau, das zu Bills Studienzeit 1927/28 noch ganz neu war. Als Beispiele sind da die enge Verzahnung des Wohnturms für die Studierenden mit dem Bereich der Mensa in Dessau wie in Ulm zu nennen, zum anderen die großen Öffnungen der Essensausgabe in der Mensa, die in Dessau wie in Ulm den Blick in die Küche freigeben.

All diese Einzelheiten lassen sich jedoch auch im Namen des Hochschul-Projektes selbst fassen. „Hochschule für Gestaltung“, so lautete der Beiname des Staatlichen Bauhauses Dessau, das mit dem Umzug von Weimar nach Dessau Hochschulstatus erlangt hatte. Von Walter Gropius erhält Bill die Zustimmung diese Bezeichnung für Ulm zu verwenden, solange Bill dort verantwortlich ist. Doch Bill denkt früh schon viel weiter. Da er von anderen Bestrebungen anderer Schulen und Lehranstalten weiß, den Namen Bauhaus jeweils für sich zu reklamieren, überlegt er in einem Brief an Inge Aicher-Scholl, ob man für Ulm nicht von Anfang den Namen „Bauhaus“ wählen sollte. Diesem Umstand verdankt das Ausstellungsprojekt des HfG-Archivs seinen frechen Titel „bauhaus ulm“, denn nichts weniger als das wollte Max Bill auf dem Kuhberg verwirklichen. Dass er mit dieser Hoffnung nicht allein war und er mit der Neugründung großes Interesse erregte, belegt auch der Strom ehemaligen Bauhäusler, die während der Bauphase wie auch in den Anfangsjahren den Weg nach Ulm fanden, um sich, im Idealfall von Bill selbst, dieses neue Bauhaus zeigen zu lassen: Sibyl Moholy-Nagy, Gustav Hassenpflug, Herbert Bayer, Ludwig Mies van der Rohe und andere.

Die Konzentration auf die Grundlehre hat vor allem drei Gründe. Ein Kernstück des HfG-Archivs bilden die vielen Grundlehrearbeiten, die teilweise von der Schule selbst gesammelt wurden, viele jedoch erst nach der Gründung des Archivs von ehemaligen HfGlern übergeben wurden. Von den Ausstellungskuratoren, die sich für die Auswahl von Exponaten für ihre Bauhaus-Jubiläumsausstellungen auf den Weg ins HfG-Archiv gemacht hatten, haben viele Arbeiten aus der Grundlehre ausgewählt. Außerdem lässt sich bei Führungen immer wieder beobachten, dass diese Arbeiten auf die Besucherinnen und Besucher einen besonderen Reiz ausüben, insbesondere auf die Studierenden in Gestaltungsfächern, an die sich diese Ausstellung auch richtet. Dieser Bestand ist weltweit einzigartig und in dieser Fülle so nur in Ulm vorhanden. Das Bauhaus-Jubiläum ist der willkommene Anlass diesen Schatz einmal ausführlich auszubreiten.

Das Ziel dieser Ausstellung ist es, zu vermitteln, dass gerade in ihren Anfangsjahren die HfG Ulm als Nachfolgeeinrichtung des Bauhauses wahrgenommen wurde und ihre Bestrebungen in dieser Richtung von großer Hoffnung begleitet wurden. Dabei sind die Grundlagen in der Gestaltungsausbildung entstanden, die teils bis heute nachwirken.

Paradox ist allerdings, dass sich in der Grundlehre auch die Abkehr von der Bauhaus-Nachfolge abzeichnet. Deshalb steht die von Tomás Maldonado weiterentwickelte Grundlehre am Ende der Ausstellung. Maldonado war ursprünglich von Max Bill nach Ulm geholt worden, später gehört er zu denjenigen, die das Bauhaus als Vorbild ablehnen werden.

Mehr Informationen

Adresse

HfG-Archiv / Museum Ulm
Am Hochsträß 8
89081 Ulm, Deutschland

  • Rollstuhlgerechte Sanitäranlagen
  • Behindertenparkplätze vorhanden
  • Barrierefrei mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu erreichen
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